Mrz. 03.

GAMIFICATION – das Spiel des Lebens

Gamification für soziale Systeme

Damit verbirgt sich hiner Gamification nichts Geringeres als die Umgestaltung von Anreizsytemen nach den Erkenntnissen der neuen Verhaltensökonomie: nicht mehr Zuckerbrot und Peitsche, sondern spielerischer Ehrgeiz, intrinsinsche Motivation und Flow sind es, die die Teilnehmer bei der Stange halten und immer stärker involvieren. “Erfolgreich und nachhaltig eingesetzt, kann Gamification aus Kunden Fans machen, Arbeit in Spaß verwandeln oder Lernen zum Vergnügen machen”.

Das Prinzip ist nicht neu. Seit Tom Sawyer sich von seinen Freunden dafür bezahlen ließ, dass sie statt seiner den Zaun streichen dürfen, ist klar, dass es allein auf die Verpackung ankommt, ob eine Aufgabe als Mühsal oder Spiel, lästig oder lustig erscheint. Neu ist, dass diese Prinzip heute wissenschaftlich raffiniert auch in Bereichen zum Einsatz kommt, die bislang eindeutig eher zum Ernst des Lebens gehörten.

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Nov. 03.

Alexandre Farto aka Vhils – Performancekünstler

Alexandre Farto pfeift auf die Nachwelt. Der in London lebende Portugiese – besser bekannt als der Performancekünstler Vhils – zerstört, um etwas zu kreieren.

Ganz konkret: Vhils sprengt Portraits in Hauswände. Seine „Arbeitsflächen“ sind Abrisshäuser, deren Wände er so lange bearbeitet, bis eindrucksvolle Reliefs entstehen, die sich auf atemberaubende Weise zu Gesichtern zusammenfügen, wenn man sie aus der Ferne betrachtet. Grandios!
Hin und wieder wird er von Hausbesitzern eingeladen, eine Außenwand oder Garagenmauer „umzugestalten“. Manche von ihnen behalten das Kunstwerk so lange, bis das Wetter die restlichen Putzbrocken von der Wand spült. Andere reißen die Wände einfach ab oder verputzen sie neu. Eigentlich weiß Vhils gar nicht, welche seiner Arbeiten überhaupt noch existieren. Seine Kunst ist explosiv, spektakulär und … sehr vergänglich.

Moment mal: Will nicht jeder Künstler Werke für die Ewigkeit schaffen? „Diese ephemere Qualität gehört zum Arbeiten auf der Straße“, sagt Vhils. „Du behältst immer im Hinterkopf, dass das, was du produzierst, morgen schon wieder verschwunden sein kann.“

Vhils Aussage hat geradezu philosophische Qualität. Und er legt den Finger in die Wunde. Durch seine Kunst sagt er: Hört doch auf, euch was vorzumachen! Wir können nichts für die Ewigkeit schaffen. Alles auf der Welt ist mit einem Verfallsdatum versehen.

Vergänglich sind nicht nur Häuserwände oder Kunst auf Häuserwänden, sondern schlicht alles, was Menschen in die Welt setzen. Geniale Teams, geniale Unternehmen, Menschen, die wirklich Großes leisten? Ja, gibt es. Solange sie funktionieren, solange sie sich halten, solange sie noch wirken oder in Erinnerung bleiben. Aber eben auch nur so lange! Und lange ist relativ. Wenn also ohnehin jeder relativ geniale Versuch, relativ großer Menschen, relativ bedeutende Werke zu schaffen am Ende in relativ kurzer Zeit restlos zu Staub und Asche wird, wieso um alles in der Welt sollten wir uns dann krumm legen, ewig Haltbares und absolut Unkaputtbares zu schaffen? Warum sollten wir dann uns überhaupt noch um etwas bemühen?

Vhils gibt uns eine Antwort. Eine bemerkenswerte Antwort.

Klar, Langlebigkeit ist gut. Nachhaltigkeit ist das Gebot unserer Zeit. Aber wir dürfen darüber nicht den Moment vergessen! Den Augenblick, die Gegenwart: „Die Explosion ist für mich wichtiger als die fertige Arbeit“, sagt Vhils.

Eigentlich sind doch alle Build-to-last-Strategien Augenwischerei, denn sie streben Unmögliches an. Und sie sind auch dröge. Unternehmen, die ihr 200. Jubiläum feiern, ohne jemals auch nur etwas ansatzweise Aufregendes gemacht zu haben, finden wir todlangweilig.

Build to last oder Build to impact? Was uns antreibt ist definitiv das Zweite. Eine Förster & Kreuz-Akademie gründen, um unser Gedankengut in die Welt zu tragen und auch dann weiterzuverbreiten, wenn wir nicht mehr da sind? – Nichts auf der Welt könnte uns ferner liegen. Uns geht es nicht darum, etwas für die Ewigkeit aufzubauen, wir wollen JETZT etwas bewegen. Indem wir Menschen zeigen, dass es auch anders geht, leisten wir unseren bescheidenen Beitrag dazu, dass die Welt sich ein kleines bisschen verändert. Wir machen unser Ding so gut wir können. Bis zum letzten Atemzug. Und das war‘s dann …